Presse – Interview für Blixxmag und Kultmark

Blixxmag (Printausgabe) | Kultmark (Onlineausgabe)

Carmen Lenk: 3D-Animateurin entdeckt die Fotografie

Carmen Lenk aus Berlin ist eine weitere Künstlerin, die wir im Rahmen unserer Kultmark-Serie vorstellen. Sie hat sich etwas Zeit genommen, um ihren Weg zur Fotografie, ihre Ideen und Inspirationen dahinter zu Papier zu bringen. Aber lest selbst und werft einen Blick in ihre Arbeit. An Ideen fehlt es der Berlinerin auf jeden Fall nicht. Und: Sie freut sich immer wieder über neue Herausforderungen!

Seit wann fotografierst du? Wie bist dazu gekommen? Steckt vielleicht eine lustige Geschichte dahinter?
Oh Gott, ja da steckt so einiges Lustiges und falsch verstandenes dahinter und ehrlich gesagt, ich fotografiere auch erst seit Mitte 2011 so richtig. Ich komme eigentlich aus der 3D- Richtung und habe gut 10 Jahre lang mit Programmen wie Cinema 4D, Bryce und Poser gearbeitet. Schon während der Zeit fand ich dann auch zum Bildcomposing. Neue Welten aus Einzelstücken verschiedener Fotos mit Photoshop zu erstellen, kann einen auch gut fesseln und so staubten die anderen Programme immer mehr ein. Durch die lustigen Anekdoten von Freunden kam mir eine Bild-Idee und ich brauchte fotografierte Socken. Meine Idee war noch nicht ganz ausgereift, da bekam ich auch schon Kontakt zu Fotografen und ich wurde zu einem Sockenshooting in ein Studio eingeladen. Also fuhr ich bepackt mit meinen Socken dahin und glaubte bis zu dem Zeitpunkt noch, dass der Studioinhaber die auch fotografiert. Denkste! Nach dem Aufbau wurde mir seine bereits eingestellte Kamera in die Hand gedrückt, kurz erklärt wie sie zu handhaben ist und dann sollte ich fotografieren. Naja, nach einer knappen Stunde unseres total verrückten Sockenshooting war mir klar – fotografieren ist gar nicht so übel, das machste jetzt öfters. Wir haben dann auch gleich an dem Tag eine Kamera für mich ausgesucht.

Woher nimmst Du Deine Ideen und was inspiriert dich?
Meine Ideen fliegen mir teilweise einfach so zu. Mir sagte mal ein Musiker, das man bei mir aufpassen müsse was man sagt, ich mach aus allem ein Bild. Gut 1 Jahr später sagte das in ähnlicher Form eine Freundin, allerdings da bezogen auf einen völlig unspektakulären Rundbogen aus Ziegelsteinen, den ich gerade fotografierte. Ich gehe einfach mit offenen Augen durch die Straßen, in der Bahn und beim Einkaufen beobachte ich die Leute. Gespräche mit Freunden, kleine Tolpatscher, Textpassagen eines Liedes, lustige Begebenheiten und einfach so das alltägliche Leben inspirieren mich. Aber auch die Geschehnisse in der Welt haben mich schon inspiriert. Manchmal dauert es auch etwas länger bis eine Idee ausgreift ist, dann mach ich mir immer mal Notizen dazu. Die Sache mit den Skizzen anfertigen hab ich aufgegeben, das wird nix, da muss ich dazu schreiben was in der Skizze was sein soll.

Womit fotografierst du?
Ich fotografiere mit einer Canon EOS 60D. Dazu hab ich verschiedene Objektive wie zum Beispiel ein Teleobjektiv, 17-85 mm und sehr gerne nutze ich auch das Objektiv mit der 50 mm Festbrennweite. Dazu kommt dann natürlich noch einiges anderes wie Filter, Blitz, Diffusor, Softbox, Schirm und all so nen Kram.

Hast du ein Spezialgebiet?
Hm, Spezialgebiet würde ich das nicht nennen wollen, dann legt man sich fest und das finde ich gerade in der Fotografie nicht so gut. Die Fotografie bietet so viele Möglichkeiten, dass ich mich da auch nicht festlegen möchte, ich bin sehr experimentierfreudig und für fast alles offen. Eigentlich sind die Fotoshootings mein Gebiet, auch wenn man das im letzten Jahr kaum bemerkte. Denn durch den Sänger einer Kölner Band, der mir anbot sein Konzert zu fotografieren, kam ich zur Konzertfotografie und hab Gefallen dran gefunden. Mit den Konzerten kamen dann auch die Events dazu. Ich fotografiere aber auch sehr gerne Landschaften und diese “Lost Places” haben es mir auch angetan, sind ja auch gute Locations für die Fotoshootings. Fotojournalismus und Sportfotografie haben aber auch ihren Reiz. Nur sollte man mich keine Fußballspiel mehr fotografieren lassen. Denn entweder hat meine Kamera auf der Jagd nach DEM Foto, dann doch noch direkten Ballkontakt oder ich werde die erste Fotografin sein, die die rote Karte zu sehen bekommt und vom Platz muss, weil die Kamera sie irgendwie auf das Spielfeld zog. Aber das war bei nem Charity-Spiel, da sind die Regeln doch eh anders. Oder?

Was bedeutet die Fotografie für dich?
Linda Adda, eine Schweizer PR-Fachfrau und Fotografin Calisto, sagte einmal “Fotografie ist die Kunst, mehr zu zeigen, als man sieht.” Die Fotografie ist für mich eine Art Ausdrucksform geworden und sie hat in meinem Leben schon einen großen Platz eingenommen. Ich gehe nur noch selten ohne meine Kamera raus und das auch teilweise zum Leidwesen meiner Freunde. Es kommt schon vor, dass wir unterwegs sind und ich plötzlich stehen bleibe oder paar Schritte zurück gehe, ohne etwas zu sagen um dann ein oder zwei (oder doch eher ein paar mehr) Fotos zu machen. Also selbst in der Freizeit hat die Kamera keinen Feierabend, schließlich will ich nicht DEN Moment verpassen, den ich genau dann gerne festgehalten hätte. Aber Sucht ist das noch nicht, das hört sich so gefährlich an, das ist wohl eher eine Berufskrankheit. Begünstigend kommt bei mir hinzu, dass ich das Glück habe 2 Leidenschaften, die Fotografie und die Musik, durch die Konzertfotografie verbinden zu können. 2 Leidenschaften die auch Leiden schaffen können. Geh mal mit mir auf ein Konzert wenn ich keine Kamera dabei habe. Ich sag nur grauenhaft. Ich könnte dann heulen wenn da so ein geiles Bühnenlicht ist oder Gitarrist und Sänger da vorne voll die Show abziehen und meine Begleiterinnen müssen mich dann die ganze Zeit über ertragen.

Ist sie dein Weg, um auch etwas Bleibendes zu schaffen, oder Dinge zu verarbeiten?
Fotos sind doch etwas Bleibendes, auch wenn sie mit den Jahren vergilben, aber sie bleiben. Ein Bild muss für mich Leben, mit dem Betrachter sprechen. Bei den Konzert- und Eventfotos muss man die Atmosphäre spüren, die Emotionen des Sängers, der seine Songs nicht nur singt, sondern auch auf der Bühne lebt. Ich fotografiere da auch mal Kleinigkeiten wie eine leere Flasche Mineralwasser, oder Bier, das steht nun mal auf der Bühne und gehört einfach bei einem Konzert dazu. Bleibende Erinnerungen schaffen wie den Moment festhalten, als ein Gitarrist sich die Hand eines Fans griff, um einen Finger auf den Saiten seiner Gitarre zu legen und dann mal kurz dreihändig zu spielen. Da musste selber erst mal kapieren was gerade unmittelbar rechts neben dir passiert. Gerne halte ich auch die Stimmung direkt von der Bühne aus fest, so von hinter der Band aus. Dann hat man die Band und ihre Fans in einem Bild. Wenn dann noch richtig Aktion auf und vor der Bühne ist, das Licht einfach stimmig ist, dann ist das eine bleibende Erinnerung für alle Seiten (Fans, Band und Veranstalter). Für mich ist der schönste Lohn meiner Arbeit der, wenn sich der Auftraggeber, das Model oder der Künstler/die Band über die Fotos freut und damit auch arbeitet, zum Beispiel die Fotos auch seinen Fans zeigt. Das ist doch eigentlich auch der Sinn der Fotografie, anderen etwas bildlich zeigen zu können, auch 50 Jahre später noch.

Was machst du noch im künstlerischen Leben? Hast du noch andere Spielwiesen?
Also ganz aktuell beantworte ich gerade die Fragen für ein Interview. Naja eigentlich das 3D-Modelling, aber das fängt an einzustauben. Ansonsten mach ich noch immer sehr gerne Bildcomposings, wobei mir die Urbanfotografie (Urban Exploration) natürlich sehr zugute kommt. Demnächst möchte ich mich etwas mit dem Filmschnitt befassen und was mich auch immer wieder reizt, ist beim Film die Postproduction.

Was möchtest du unbedingt noch vor die Linse bekommen?
Schwer zu sagen, da gibt es einiges. Als Urbexer mal so nen richtig urig altes und verlassenes Schloss, in dem noch Gegenstände sind, voll mit Spinnweben und den dicken Staubschichten. Als Konzert-Fotograf würde ich gerne Rock im Park oder Rock am Ring fotografieren. Naja und dann gibt es da noch einen netten Herrn, der nicht so ganz unschuldig an meine eingeschlagene fotografische Richtung ist, ein Singer/Songwriter den ich wahnsinnig gerne mal zum richtigen Fotoshooting vor meiner Linse hätte.

Kleiner Nachtrag:
Für all die, die nun wissen wollen ob ich den Sänger denn schon zum Shooting vor meine Linse bekam. Ja klar, sogar mit seiner Band zusammen. 2014 hatten wir dann hier in Berlin das Shooting gemacht. :)